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Zwei Konigskinder

Du, Mainz. Und ich.
Wir zwei. Ein gutes Paar.
Du wirst mir fehlen. Ich spür´ das jetzt schon.
Deine Gemütlichkeit, deine Geschäftigkeit, deine Gelassenheit.
Eine Stadt und doch ein Dorf.
Deine Märkte! Unvergleichlich!

Vergesst den Viktualienmarkt. Hier ist alles etwas kleiner und entspannter, dafür aber regionaler.
Dich, Marktfrühstück, werde ich weiterhin besuchen. Versprochen!
Deine Menschen und meine Kollegen! Zur Unfreundlichkeit, Schroffheit und Engstirnigkeit völlig ungeeignet.

Weltoffen, multikulti und doch ganz nah dran an der Roihessischen Heimat.
Dein Wein! Ich war auf dem Weg mich quer durchzutrinken. Ganz hab´ ichs nicht geschafft. Es gibt noch so viel zu entdecken.

Wir hätten so ein schönes Paar werden können, aber “das Wasser war viel zu tief”.
Anders gesagt, die Eisenbahn hatte etwas gegen unsere Beziehung.
Alles, ich schwör´, alles hat sie getan, um uns zu trennen.
Fahrdienstleiter haben Güterzüge zum Blockieren eingesetzt. Lokführer haben gestreikt oder halt nur ein bisschen gebummelt. Immer gerade so viel, damit ich den Anschlußzug verpasse. Aber immer so knapp, daß das Adrenalin in Strömen floss. Riesling wär´ mit lieber gewesen.
Sie haben morgens schonmal die Fahrpläne umgestellt. Ganz geschickt, die Brüder! Ich musste zur gleichen Zeit aussem Haus, war aber erst ´ne Stunde später an der Stechuhr.
Wenn gar nix mehr half, haben sie Böschungshänge abrutschen lassen, Stellwerke demoliert und Gleise unterspült.
Als Zugabe gab´s 19-Euro-Tickets, damit die ollen Schrotthaufen auch schön voll waren. Es gab im Sommer kaputte Klima-Anlagen und im Winter kaputte Heizungen. Oder Kühlung im Winter und Heizung im Sommer, irgendwas hat immer für Spass gesorgt.
Nein, Mainz, meine Liebe, wir kommen nicht zusammen. Autofahren ist nämlich bei dir auch keine gute Idee.
Tschöö, Meenz!
Guude, Kowelenz

Gestern nochmal so ein geniales Ribeye vom Hamm.
5 cm dick, mindestens, alles andere wäre Carpaccio.
Hat ein Vermögen gekostet.
Aber für dich, Mainz, gehe ich volles Risiko.
Für mich neue Art der Zubereitung.
Nicht meine übliche Warmduscher-Nummer. Anbraten und bei 100° gar ziehen lassen.
Nein!

Diesmal volle Pulle:
Du brauchst hierbei am Anfang einen Kerntemperaturfühler. Jedenfalls solange du nicht genug Routine hast.
Nimm das Biest eine Stunde vorher aus dem Kühlschrank.
Ob du vorher oder nachher salzt ist wurscht. Ich mach´s kurz vor´m Braten.

Los gehts.
Backofen auf volle 250° Heißluft vorheizen. Lass das Ding laufen!
Das Steak in der megaheißen Schmiedeeisernen mit ein wenig Öl beidseitig anbraten.
Anschließend den Temperaturfühler reinhauen und das Fleisch in den knallheißen Ofen werfen.
Das qualmt wie blöd, informier die Nachbarn, sonst kommt die Feuerwehr.
Auf 48° KT bringen, dauert ca. 5 Minuten.
Dann Hitze aus und die Backofentür einen Spalt öffnen.
Bei geöffneter Tür auf 54° KT erhitzen.
Rausnehmen, 1 Minute noch ruhen lassen, feddich.
Die Röstphase bringt eine Aromaexplosion, ich schwör.
Du glaubst, dat Ding käm´ vom Grill!
In Tranchen geschnitten anrichten.


Dazu eine Gremolata aus Olivenöl, Orangenfilets, Zitronenschale, Schalotten, Kapern, Petersilie, Granatäpfelkerne, Salz und Timut-Pfeffer.

Und ein Steckrübenpüree mit Parmesan.

========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4

Titel: Steckrübenpüree mit Parmesan
Kategorien: ???
Menge: 4 Personen

3 Essl. Olivenöl
1 Steckrübe (1,2 kg) geschält und gewürfelt
100 Gramm Möhren, geschält und gewürfelt
1 groß. Zwiebel, geschält und gewürfelt
300 Gramm Mehligkochende Kartoffeln, geschält und gewürfelt
80 Gramm Butter
Salz, Pfeffer, Muskat
2-3 Essl. Parmesan

============================ QUELLE ============================
— Erfasst *RK* 05.02.2017 von
— Claus Schlemmer

Olivenöl in einem großen Topf erhitzen und die Gemüsewürfel 10
Minuten andünsten. 500 ml Wasser zugeben und zugedeckt 30 Minuten
leicht köchelnd garen. Den Deckel abnehmen und nochmal 10 Minuten
garen. Das Gemüse mit einem Schaumlöffel in die Küchenmaschine geben
und fein pürieren. Dabei mit der Kochflüssigkeit auf die gewünschte
Konsistenz bringen. Butter mit einarbeiten. Würzen und mit Parmesan
anrichten.

=====

.. oder so ähnlich haben die Kombinatsgenossen hier und hier ihre Gedanken überschrieben.
Ist eigentlich alles gesagt, oder?
Nicht ganz.
Die Nicole von der Rhein-Zeitung lässt sich auch nicht lumpen.
ˋNe komplette Seite im Journal der Samstagsausgabe.
Ordentlich! Das Thema scheint interessant zu sein.
Mal wieder ein Vinocamp.
Wieder an der Untermosel.
Anders als beim letzten Mal wird diesmal das Rheinkombinat mobilisiert.
Klar sind wir dabei. Ehrensache.
Ohne grosses Rumgeplane.
Ein paar Messenger-Absprachen und die Nummer steht.
Wir machen noch nicht mal eine Ortsbegehung vorher. Chaotisch wirds sowieso. Kennt man ja vom letzten Mal.
Tags vorher einkaufen. Jörg bringt allerfeinstes Bio-Grünzeug. Wie immer schön klein, damit Bernd auch Spaß beim Schälen hat.
Sven besorgt Fisch. Moselfisch. Hier gibts nix was es nicht gibt.
Fisch brauche ich nämlich für Sonntag. Da soll es ein paar Kleinigkeiten mit Fisch geben.
Es wird wie immer, wenn das Kombinat rockt.
Drei (normalerweise vier) einigermassen kochtalentierte Typen, die stundenlang in der Küche rumdilettieren und jede Menge Spaß dabei haben.
Und nur das zählt. Es muss Spaß machen.
Vom Camp kriege ich nicht viel mit.
Der ein oder andere Winzer taucht mal in der Küche auf um sich das Drama anzusehen. Und bringt auch ein Fläschchen mit.

Verdursten müssen wir also nicht.
Nicole hat geschrieben:” …das Kölner (stimmt nicht, keiner ist aus Köln) Rheinkombinat, eine Truppe von Kochverrückten. Die können sich wenig Schöneres vorstellen, als in ihrer Freizeit rund 40 anspruchsvolle Esser stilvoll satt zu kriegen…” Passt! Auffen Punkt.
Beim nächsten Mal sind wir wieder dabei.
Wenn ihr wollt.
Die Bedingungen sind Nebensache. Wir kochen auch unter freiem Himmel auf offenem Feuer, wenn´s sein muss.

Wer´s nachkochen will, unten die Rezepte. Zutaten in Tabellenform. Für eine oder dreißig Portionen…

Linsen. Entenbrust
1 40 Personen
30 1200 g Puy-Linsen
0 0 Salz
15 600 g blanchierte Gemüse-Brunoise
25 1000 g ger. Entenbrust
1 40 Stück Kirschtomaten
0 0 Kerbel
0,5 20 EL Weißweinessig
1 40 TL scharfer Senf
0 0 Pfeffer
1 40 EL Öl

Linsen abspülen und in reichlich kaltem Wasser aufkochen und nach zwei Minuten in ein Sieb abgießen und nochmal abspülen. Anschließend in leicht gesalzenem Wasser mit dem Bouquet Garni ca 15 Minuten garen. Die Linsen sollen noch einen leichten Biss haben.Abgießen, etwas abkühlen lassen, die Gemüse-Brunoise unterheben und mit der kräftig abgeschmeckten Vinaigrette marinieren und ca. 30 Minuten ziehen lassen. Nochmals kräftig abschmecken. Die Linsen vertragen einiges an Würze. Während der Marinierzeit die Tomaten halbieren und ebenfalls mit etwas Vinaigrette marinieren. Die Entenbrust in dünne Scheiben schneiden. Am besten geht das, wenn man sie einfriert. Linsen in einem Servierring anrichten, Entenbrust anlegen und mit Kirschtomaten und Kerbel ausdekorieren.

Kompott mit Syllabub
8 40 Personen
175 875 g getr. Aprikosen, geviertelt
175 875 g getr. Feigen, gleiche Größe wie Aprikosen
175 875 g getr. Pflaumen, s.o.
175 875 g große Rosinen
25 125 g Orangeat oder Zitronat, fein gewürfelt
0,25 1,25 g Spice (Piment, Zimt, Nelken, Ingwer, Muskat
1 5 Stck kleiner Cox Orange mit Schale
0,5 2,5 Stck Orange, Saft und abger. Schale
0,5 2,5 Stck Zitrone, Saft und abger. Schale
600 3000 ml Marsala
25 125 g ganze geh. Mandeln oder Mandelsplitter
75 375 31 Marsala
2 10 TL Rohrzucker
150 750 ml Creme Double
1 5 Stck Muskatnuss

Alle Zutaten für das Kompott ausser den Mandeln in eine Schüssel geben. Zugedeckt über Nacht an einem kühlen Ort ziehen lassen.
Am nächsten Tag den Ofen auf 250° vorheizen.
Zutaten aus der Schüssel in einen topf geben und bei mittlerer Hitze zum Kochen bringen.
Im Ofen zugedeckt 3 Stunden köcheln lassen. Herausnehmen und abkühlen.
Inzwischen die Mandeln rösten.
Dazu die Mandeln in dünne Splitter hacken und auf ein Stück Alufolie legen. Im Backofengrill rösten, dabei ständig kontrollieren.
Abkühlen.
Für den Syllabub den marsala in eine Schüssel gießen, den Zucker zugeben und etwa 10 Minuten stehen lassen bis sich der Zucker aufgelöst hat.
Creme double zugeben und steif schlagen bis sich weiche Spitzen bilden. Zugedeckt in den Kühlschrank stellen.
Vor dem Servieren die Mandeln unter das Kompott mischen und in Gläser verteilen. Den Syllabub nochmals aufschlagen und über die Früchte löffeln.
Etwas Muskat darüber reiben.

Rauchforellentartar. Tomaten. Avocado. 
1 30 Personen
0,25 7,5 Stück Tomaten  
0,25 7,5 Stück Avocado  
40 1200 g ger. Forellenfilet  
0,125 3,75 Stück Schalotten  
0 0 Rohrzucker  
15 450 ml Traubenkernöl  
15 450 ml Sonnenblumenöl  
0 0 Sesamöl  
15 450 ml Weissweinessig  
0 0 Apfelessig  
15 450 ml Geflügelbrühe  
0 0 Estragonsenf 
0 0 Creme fraiche  
0 0 Zitronensaft  
0 0 Estragonzweig  
0 0 Salz 
0 0 Weißer Pfeffer  
0,5 15 Stück Avocado  
5 150 ml Rapsöl  
5 150 ml Traubenkernöl  
8 240 ml Brühe  
0,25 7,5 Stück Limette  
0,4 12 g Ascorbinsäure  
0,4 12 g Xanthan  
10 300 g Eiweiß  

Den Stielansatz der Tomate entfernen. Die Tomaten kurz überbrühen, häuten und vierteln.
Das Kerngehäuse herausschneiden und die Tomatenviertel in 5 mm große Würfel schneiden.
Die Avocado schälen, halbieren, den Kern entfernen und das Fruchtfleisch in 4–5 mm
große Würfel schneiden. Mit Zitronensaft beträufeln.
Die Forellenfilets auf Gräten überprüfen und vorhandene mit der Grätenzange
entfernen. Die Filets dann in 1,5 cm große Würfel oder Rauten schneiden.
Für die Marinade die Schalotte abziehen und in feinste Würfel schneiden. Dann Zucker mit den Ölen und den Essigen, Brühe, Senf und Crème fraîche verrühren. Mit Zitronensaft, gehacktem Estragon, Salz und Pfeffer abschmecken.
Die Tomaten- und Avocadowürfel unter die Marinade heben und zum Schluss die Forellenstückchen unterziehen.
Die Avocados für die Mayonnaise schälen, halbieren und herauslösen.
Fruchtfleisch in Würfel schneiden. Alle Zutaten (außer Xanthan und Eiweiß) zusammen mixen. Xanthan unterheben. Das Eiweiß anschlagen und ebenfalls unterheben.
Das Tatar in vier Gläser verteilen und die Mayonnaise in kleinen Schälchen dazu reichen.

Gebeizter Lachs
Rezept hier

Zander-Filet mit Bratkartoffelpüree, Spinat, Linsenvinaigrette. 
1 30 Personen
50 1500 g Kartoffeln  
8 240 g Butter  
0,25 7,5 Stück Schalotte  
8 240 g Bacon  
2 60 Stangen Schnittlauch  
0 0 Salz 
0 0 Pfeffer  
0
10 300 g Linsen  
0,3 9 Stück Schalotte  
12 360 ml Rapsöl  
0,3 9 Tl Tomatenmark  
0,125 3,75 El Riesling  
30 900 ml Rinderfond  
12 360 ml Weinessig  
2 60 Stangen Schnittlauch  
0 0 Salz  
0 0 Pfeffer  
0 0 Senf  
0 0 Stärke  
0
100 3000 g Fischfilet  
0 0 Salz  
0 0 Pfeffer  
0 0 Öl  
0
12 360 g Babyspinat  
0,125 3,75 Tl Geflügelbrühe  
0,125 3,75 Tl Butter  

Die Kartoffeln kochen, abgießen, pellen und in Scheiben schneiden. Die Schalotten oder Zwiebeln abziehen und fein würfeln. Den Bacon in kleine Würfel schneiden und in der heißen Butter knusprig auslassen.
Die Kartoffeln und die Schalotten dazugeben und mitbraten. Mit dem Stampfer vermengen und den fein geschnittenen Schnittlauch unterheben. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Den Backofen auf 180 °C vorheizen.
Die Linsen in kochendem Salzwasser ca. 10 Minuten blanchieren und eiskalt abschrecken.
Die Schalotte abziehen, fein würfeln und in 1 EL Öl anschwitzen. Das Tomatenmark dazugeben und mitschwitzen. Mit dem Riesling ablöschen und mit der Brühe auffüllen. Das restliche Öl und den Essig hinzugeben. Leicht erhitzen und mit in wenig Wasser angerührter Stärke binden. Mit Senf und fein geschnittenem Schnittlauch verfeinern.
Die Linsen untermischen und abschmecken.
Das Fischfilet in vier Stücke teilen. Salzen und pfeffern und im heißen Pflanzenöl 2 Minuten anbraten. Im vorgeheizten Ofen 4 Minuten weitergaren und glasig servieren.
Die Spinatblätter gründlich putzen, waschen und abtropfen lassen.
In etwas Butter anschwitzen und mit der Brühe ablöschen. Sofort auf den Tellern verteilen, die Fischfilets daraufsetzen. Etwas Püree und die leicht temperierte Linsenvinaigrette dazugeben und servieren

Vom Hocker gehauen

Passiert selten.
Manchmal aber doch.
Manchmal haut mich was vom Hocker. Volles Rohr!
Neulich ist´s mal wieder passiert.
Diesmal war´s Wein. Wein, nicht von hier.
Normalerweise bin ich beim Wein ja eigen. Der Scholle verbunden, quasi.
Deutscher Wein muss es meistens sein.
Von hier, will sagen Mittelrhein und Mosel.
Höchstens Rheingau und Rheinhessen und Pfalz.
Vielleicht Elsaß.
Dann ist aber auch schon Schluß. Das reicht mir.

Und jetzt Italien. Ganz Italien. Ganz Italien vom allerfeinsten.
Die Grandi Marchi laden ein.

Die laden glatt so einen auf heimisches Zeugs konzentrierten Wein-Anfänger ein.
Zu ´nem vinophilen Kurztrip durch das ganze Land. Auf Weltklasse-Niveau.
Kurz nachem Dienst nicht in Koblenz rausgesprungen sondern das Stückchen nach Kölle weitergefahren.
In die Wolkenburg.
Ich mal wieder als Dilettant inmitten von geballter Weinkompetenz.

In den gleichen Napf gespuckt wie Christina Fischer (DIE Christina Fischer).
Einmal habe ich nicht aufgepasst und dabei ging ´ne Ladung vorbei und auf meine Hose.
War aber eine dunkle Hose und keiner hat´s gemerkt.
Volles Programm in eineinhalb Stunden.
19 absolute Kracher-Weine in 90 Minuten.

Vorgestellt jeweils vom Erzeuger. Auf Englisch oder Italienisch.
Mittendrin Land-Ei Claus.
Manchmal komm´ ich mir doch ein bisschen so vor wie der Kerkeling.
Inmitten von Lageder, Antinori, Gaja, Masi und Konsorten.
Dann das Highlight des Tages. Jedenfalls für mich. Donnafugata.
Schon die Vorstellung beeindruckend.
Aber erst der Wein!
Mille e una Notte. Contessa Entellina D.O.C. 1996 (!!!)
Was für ein Name, was für ein Stoff. Haut mich echt vom Hocker, sag´ ich doch.
Mir fällt da auch kein Fachchinesisch von wegen Aromen, Düften und Farben zu ein.
Der Wein ist einfach nur großartig und in dieser Form hier nicht zu bekommen.
Ende und Aus!

Bekommen hab´ ich den anschließend von den Leuten von VineShop24. Die sind fix und die Preise sind auch ok.

Bekommen, um ihm Raum zu geben.
Raum neben meinem erneuten Versuch, mich an den Vladimir Mukhin ranzukochen.

Diesmal mit einem Fleisch-Gang.

Short-Rip; Krautsalat; Pilze
4 Personen
Zutaten:
1 kg Short Rips (Menge sollte 4 rechteckige Fleischstücke nach Entfernen der Knochen ergeben, richtet sich also nach dem Zuschnitt des Fleischs. Bei mir hat´s gereicht. Es wurde mir fachmännisch in der Fleischboutique am Dom zugeschnitten. Allerfeinste Meenzer Muh. Ein Projekt von Handel und rheinhessischem Erzeuger. Limousin-Färse, 2 Jahre alt, weidegängig.)

Rapsöl
1 Zwiebel
1 kl. Stück Knollen-Sellerie
1 kl. Stange Staudensellerie
1 Karotte
¼ Stange Porree
Je 100 ml Rotwein, roter Portwein
200 ml Kwass (russisches Getränk aus vergorenem Brot, meine neue Geheimzutat!)
2 TL Puderzucker
2 TL Tomatenmark
500 ml Rinderfond
12 kleine feste Champignons
½ Chilischote
½ Knoblauchzehe
2 Gemüsezwiebeln
½ Spitzkohl
1 Bd. Petersilie
½ Kopf Salat
4 Stiele Dill

Zubereitung:
Die Short-Rips am Stück auf allen Seiten in einem ofenfesten Topf in etwas Rapsöl anbraten, herausnehmen. Im gleichen Topf das geputzte und gewürfelte Röstgemüse (Zwiebel, Knollensellerie, Stangensellerie, Karotte, Porree) anschwitzen, ebenfalls herausnehmen. Den Puderzucker im gleichen Topf leicht karamellisieren, das Tomatenmark kurz mit anrösten und nacheinander mit Kwass, Rotwein und Portwein ablöschen und jeweils völlig einreduzieren lassen.
Das Röstgemüse und das Fleisch in den Topf geben und mit Fond aufgießen. Topf verschließen und in den auf 150° vorgeheizten Backofen stellen. Ca. 3,5 Stunden garen bis das Fleisch sich leicht von den Knochen löst.
Fleisch vom Knochen lösen und in ca. 12 cm lange, rechteckige Stücke schneiden.
Die Sauce durch ein Sieb passieren und auf die gewünschte Konsistenz einkochen. Mit Kwass, Salz und Pfeffer abschmecken.
Fleisch in der Sauce warm halten.
Die Champignons putzen und mit Rapsöl bedeckt gemeinsam mit Chilischote und Knoblauch ca. 30 Minuten bei kleiner Hitze konfieren. Gut abtropfen lassen und auf Küchenkrepp entfetten.
Die Gemüsezwiebel schälen und auf der Mandoline in hauchdünne Streifen schneiden, in Salzwasser 5 Minuten blanchieren und in einem Sieb abtropfen und anschließend in einem Küchentuch leicht auspressen.
Jeweils 3 Champignons auf einen Holzspieß stecken, salzen und pfeffern. Mit den Zwiebelstreifen umwickeln und leicht andrücken. Spieße in eine gefettete Form legen, mit Butterflocken belegen und bei 200° Umluft leicht bräunen lassen. Spieß entfernen.
Petersilie, Dill und Kopfsalat entsaften. Den Spitzkühl in Streifen schneiden, mit etwas Salz und Zucker bestreuen und Flüssigkeit ziehen lassen. Im eigenen Saft und etwas Butter leicht andünsten und mit dem grünen Saft einfärben.
Einen Saucenspiegel auf den Teller geben und Fleisch, Kohl und Pilz-Päckchen dicht nebeneinander anrichten.

Dochdoch!

Es gibt sie noch.
Sendungen übers Essen und Kochen im Fernsehen.
Formate, die durchaus sehenswert sind.
Wo du noch was lernen kannst.
Die dich auch unterhalten. Die gibts tatsächlich.
Sind aber sehr selten. Richtig selten!
Ich meine natürlich nicht diese unsäglichen sogenannten Kochshows.
Habt ihr neulich dieses Kampf-der-Köche-Gewürge gesehen?
Jungejunge, was für´n Flop! Nach ein paar Sendungen haben sie´s wieder aussem Programm genommen.
Jetzt gerade gibbet auf Sky “Masterchef”.
Die härteste Kochshow der Welt.
Angeblich unheimlich erfolgreich irgendwo auf der Welt.
Mit den absolut besten Hobbyköchen der Republik.
Müsst ihr mal reingucken. Einmal!
Ich meine sowas nicht. Ich meine andere Sendungen.
Diese Ikarus-Nummer auf dem Ösi-Redbull-Sender.
Kannste sagen, wat du willst, aber schlecht ist das nicht.
Regionalbahn Leipzig ist ja auch nicht schlecht. (Schnell wieder streichen! Hat keiner mitbekommen!)
Neulich hatten sie im Ikarus diesen Russen.
Der aus dem White Rabbit.
Vladimir Mukhin, Moskau-Russe.
Der Mann hat mich ziemlich beeindruckt.
Und zum abkupfern angeregt.
Das meine ich mit interessanten Kochsendungen. Die gehen dir nicht mehr aus dem Kopf.
Rezepte gibts keine. Du musst das schon selbst hinbekommen.
Angefangen hab´ ich mit der Vorspeise.
Lachs. Lachsforelle oder Fjordforelle würden auch gehen.
Roh gebeizt. Mit gepickelten Preiselbeeren. Cranberries gehen auch.
Dazu Gurke. Und eine Meerrettich-Schmand-Creme.
Alles in Schön, ist wichtig. Das kannst du nicht 08-15 auffen Teller knallen!
Du jubelst 2 kleine rohe rote Bete-Knollen durch die Küchenmaschine. Gemeinsam mit Saft und Abrieb einer halben Zitrone und einem Esslöffel Wacholderbeeren (vorher in einer heißen Pfanne zum Leben erwecken). Locker 50 ml Wodka und jede Menge Salz und Zucker reingeben.
Die Nummer muss ziemlich überwürzt sein, sonst gibt dat nix.
Für 4 Vorspeisen reichen 250 g pariertes Lachsfilet. Das gibst du jetzt in die rote Pampe und marinierst das Ganze ungefähr 3 Stunden.
Die Hälfte der Marinade würde auch reichen, wär aber zuwenig Stoff für meine Küchenmaschine.
Für die gepickelten Cranberries gibts du jeweils 100ml Wasser und Apfelessig, 150 g Zucker, 4 g Salz, 3 g Senfsaat, 1 Stück Zimtrinde in einen Topf, kochst das auf und gibst 250 g Cranberries hinein. Aufkochen und abkühlen lassen.
Die Gurken habe ich vom Mainzer Wochenmarkt. Spreewälder Fassgurken. Lose aussem Fass, genial.
Du schneidest die Schale ab und würfelst das innere in Größe der Cranberries.
Die Creme ist ebenfals total easy. 200 g Schmand 2 Stunden im Tuch abtropfen lassen, 2 EL frisch geriebenen Meerettich (je nach Schärfe, abschmecken!) und etwas Salz unterheben. Anschließend das ganze mit Sahne auf die gewünschte Konsistenz bringen. Wenn du eine komplett glatte Creme möchtest musst du den Meerrettich entsaften. Dann entfällt auch die Sahne.
Anschließend anrichten (Babyspinat-Creme-Lachs). Gib dir ausnahmsweise mal Mühe, das Gericht hat es verdient.

Bäckchen!

Also Bäckchen
Muß ich dazu noch was sagen?
Eigentlich nicht, oder?
Ist so ziemlich das Beste, was du machen kannst. Echt!
Brauchst halt Zeit.
Nicht du, die Bäckchen.
Die machen sich von selbst. Fast.
Du kannst garnix falsch machen. Lass ihnen nur Zeit. Und gib ihnen nicht zuviel Hitze.
Du brauchst die noch nicht mal vor´m Schmoren parieren.
Ich mach´ das nicht mehr. Völlig überflüssig.
Lass das Fett dran. Fett ist Geschmack.
Du kannst die Sauce nachher entfetten. So´n Fettkännchen ist ´ne sinnvolle Sache.
Lass die Sehnen dran. Auch da ist Geschmack drin. Du kriegst ein Sösschen zum Niederknien. Beim Schmoren halten die Bäckchen auch schön zusammen.
Du lässt die Biester wenn sie gar und mürbe sind, ein bisschen abkühlen und entfernst alles überflüssige mit den Fingern. Das löst sich jetzt alles ganz leicht und ohne Kollateralschäden ab.
Mehr muss ich zu Bäckchen aber wirklich nicht mehr sagen…

Schweinebäckchen 28.05.2016 18-36-22

Schweinebacke-Sellerie-Berberitzen (frei nach Ottolenghi)

4 Personen

Zutaten:
20 Schweinebäckchen, pariert
50 g grobes Meersalz plus mehr zum Würzen
3 EL Sonnenblumenöl
30 g Butter
2 große Möhren, geschält und in 2 cm große Stücke geschnitten
1 kl. Lauchstange, in 2 cm große Stücke geschnitten
1 große Zwiebel, geschält und in 2 cm dicke Spalten geschnitten
3 mittelgroße Selleriestangen, in 2 cm große Stücke geschnitten
5 Knoblauchzehen, geschält und leicht angestoßen
200 ml Madeira
1 TL schwarze Pfefferkörner
15 g Thymianzweigedie Fl
10 g Rosmarinzweige
2 Lorbeerblätter
1 l Hühnerbrühe
Selleriesalat
1 TL Zucker
40 g getr. Berberitzen
1 kl. Sellerieknolle, geschält und in dünne Stäbchen geschnitten
20 g Petersilie, fein gehackt
60 ml Olivenöl
2 EL Zitronensaft
schwarzer Pfeffer
Madeirajus
3 EL Zucker
150 ml Madeira
150 ml Portwein, rot
200 ml Rotwein

Zubereitung:
Das Fleisch in einer Schüssel gleichmässig mit dem Salz einreiben und zugedeckt für mindestens 2 Stunden in den Kühlschrank kalt stellen.
Den backofen auf 130° vorheizen.
Das Fleisch abspülen und trocken tupfen. Die Hälfte des Sonnenblumenöls in einer großen ofenfesten Pfanne erhitzen. Die Bäckchen darin in zwei Durchgängen von beiden Seiten anbraten. Herausnehmen.
Öl aus der Pfanne entfernen und 20 g Butter hineingeben, aufschäumen. Möhren, Lauch, Zwiebeln, Sellerie und Knoblauch darin etwa 10 Minuten unter gelegentlichem Rühren goldbraun anbraten. Mit Madeira ablöschen und 1 Minute köcheln lassen. Pfefferkörner, Kräuter und Brühe zugeben und zum Kochen bringen. Die Bäckchen hineinlegen und mit einem Stück Backpapier belegen. Mit einem Teller beschweren, so daß alle Bäckchen vollständig mit Flüssigkeit bedeckt sind. Den Deckel auflegen und im Ofen ca. 2,5 Stunden schmoren. Das Fleisch sollte sehr zart sein aber nicht zerfallen.
Die Bäckchen herausheben. Die Schmorflüssigkeit durch ein Sieb passieren. Das Fleisch und die Sauce abkühlen lassen und bis zur weiteren Verwendung in den Kühlschrank stellen.
Den Salat 45 Minuten vor dem Servieren vorbereiten. In einem kleinen Topf 100 ml Wasser zum Kochen bringen. Den Zucker darin auflösen. Die Berberitzen hineingeben, vom Herd nehmen und abkühlen lassen. Die Berberitzen in einem Sieb abtropfen, die Flüssigkeit weggießen.
Sellerie und Petersilie in eine große Schüssel geben. Das Olivenöl und den Zitronensaft mit 1 TL Salz sowie einer kräftigen Prise Pfeffer verrühren. Über den Sellerie gießen, die Berberitzen hinzufügen, behutsam durchrühren und etwa 30 Minuten durchziehen lassen.
Für die Madeirajus in einem Topf den Zucker goldbraun karamellisieren. Vorsichtig Madeira, Portwein und Rotwein zugießen und bei mässiger Hitze etwa 15 Minuten köcheln lassen bis noch 200 ml übrig bleiben. Beiseite stellen.
Zum Servieren die Schmorflüssigkeit entfetten, dann 400 ml in die Pfanne gießen, in der das Fleisch gegart wurde (den Rest anderweitig verwenden). Die reduzierte Madeirajus zugeben, aufkochen und ohne Deckel 15 Minuten auf die Hälfte reduzieren.
Fleisch mit den restlichen 10 g Butter zugeben und wieder 10 Minuten erhitzen.
Den Salat auf Tellern verteilen und die Schweinebäckchen daneben anrichten. Mit der Sauce überziehen und sofort servieren.

Konnwieenienz…

Muss nicht.
Nicht immer.
Nicht alles.
Du musst nicht immer alles selbst machen.
Manchmal gibts Leute, die das sogar besser können.
Wenn die dann auch noch gutes Zeugs verwenden, musst du dir die Arbeit nun wirklich nicht machen.
Markklösschen zum Beispiel.
Diese kleinen, köstlichen Dinger, die Omma natürlich am Besten gemacht hat.
Da kommst du eh nicht dran.
Die kannst du getrost zukaufen.
Böhm´s Elke macht die echt astrein.
Zwanzich Cent das Stück. Geschenkt.
Schön fluffig und mit Schmackes. Schön Salz, Pfeffer, Muskat und Petersilie.
Anders hätte ich das auch nicht gemacht.
Also geh´ auf die Suche nach ´nem Metzger, der Markklösschen macht.
Du sparst viel Zeit und Nerven, glaub´ mir…

20161112_200743

Zander, Gemüse, Markklösschen

4 Personen

Zutaten:
Zander
600 g Zanderfilet mit Haut
Salz, Pfeffer
20 ml Pflanzenöl

Orangen-Kümmel-Fond
10 ml Sonnenblumenöl
1 kl Zwiebel, geschält und gewürfelt
1/2 rote Paprika, gewürfelt
1 EL Tomatenmark
250 ml Geflügelfond
1 TL Kalbsjus
1 Zweig Oregano
1 Zweig Petersilie
1/2 Knoblauchzehe, angedrückt
2 g Kreuzkümmel, grob gemörsert
3 g Kriander, grob gemörsert
1 Lorbeerblatt
1/2 TL Paprika, edelsüß
1 Msp Chilipulver
10 ml Wacholderschnaps
50 ml Orangensaft, frisch gepresst
1 Bio-Zitrone
1 TL Stärke
Salz, Pfeffer

Gemüse
je 50 g Saisongemüse
Gelbe und rote Möhren
Kohlrabi
Romanesco

Rohesserscheiben
1 Rohesser (luftgetr. Mettwurst)
2 EL Pflanzenöl

Pfefferschaum
100 g kalte Butterwürfel
1 TL weiße Pfefferkörner (bei mir Muntok vom Holland) grob gemörsert
50 ml Riesling
100 ml Geflügelbrühe
3 Zweige Thymian
70 ml Sahne
70 ml Vollmilch
1 Spritzer Zitronensaft
Salz
1 TL Stärke

Markklösschen
50 g ausgelassenes Rindermark
Salz, Pfeffer
1 Ei
1 Eigelb
100 g frisch geriebene Semmelbrösel
Muskat

Zubereitung:

Zubereitung:
Zander
Das Filet in gleichmässige Tranchen schneiden, die Haut etwas einritzen und mit Salz und Pfeffer würzen. Das Öl in einer Pfanne erhitzen und den Fisch beidseitig kurz anbraten. Im Ofen bei 180° 3 Minuten glasig garen. Warm stellen.

Orangen-Kümmel-Fond
Das Öl in einem großen Topf erhitzen, die Zwiebel- und Paprikawürfel anschwitzen, mit dem Tomatenmark tomatisieren und mit der Geflügelbrühe und dem Kalbsjus aufgießen. Oregano- und Petersilienzweig sowie den Knoblauch zugeben und mit Kreuzkümmel, Koriander, Lorbeer, Paprika und Chili würzen.
Den Fond 5 Minuten köcheln lassen, dann mit dem Stabmixer aufmixen und den Schnaps, den Orangensaft und den Zitronenabrieb hineinrühren.
Durch ein sehr feines Sieb passieren, mit der Stärke abbinden und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Gemüse
Das GEmüse putzen und in gewünschte Formen schneiden. Sortenweise in Salzwasser bissfest blanchieren, in Eiswasser abschrecken. Vor dem Servieren in einer größen Pfanne in etwas Gemüsebrühe erwärmen und abschmecken.

Rohesser
Die Würste in dünne Scheiben schneiden und im Öl knusprig ausbraten. Auf Küchenkrepp abtropfen lassen.

Pfefferschaum
Die Hälfte der Butter in einem Topf zerlassen und die zerstossenen Pfefferkörner darin anrösten. Mit dem Riesling ablöschen, mit der Geflügelbrühe auffüllen und den Thymian zufügen. Sahne und Milch aufgießen und 10 Minuten köcheln lassen.
Die Sauce durch ein feines Sieb passieren und binden. Mit der restlichen Butter aufmontieren und mit dem Stabmixer aufschäumen.

Markklösschen

Beim Böhm kaufen und in siedendem Wasser ziehen lassen!

Oder das zimmerwarme Mark schaumig aufschlagen und mit Salz und Pfeffer würzen.
Das Ei mit dem Eigelb schaumig schlagen. Die Hälfte der Brösel in das Mark, die andere Hälfte in das Ei rühren. Beide Massen verrühren und abschmecken.
In einen Spritzbeutel füllen und in Streifen auf die Arbeitsplatte spritzen. In Stücke schneiden und zu Klösschen formen.
In Salzwasser ca. 5 Minuten gar ziehen lassen, nicht kochen! Mit einem Schaumlöffel herausnehmen.

Anrichten
Den Orangen-Kümmelfond in tiefe Teller geben. Darauf das Gemüse anrichten. Fisch anlegen. Pfefferschaum nochmal aufmixen und angießen und Klösschen und Rohesser anlegen.

Früher!

Komm, Kleiner, setz dich.
Ich erzähl´ dir von früher.
Von der Zeit, als ich so klein war wie du.
Ist ´ne Weile her.
Es gab verrückte Dinge damals.
So verrückt, daß du es kaum glauben wirst.
War aber wirklich so, ich schwör.

Am Himmel flogen Düsenjäger, die die Schallmauer durchbrachen. Jedesmal ein riesen Knall.
Autos hatten ein Reserve-Rad.
Es gab Länder wie die DDR und die UDSSR. Schonmal davon gehört?
Auf den Straßen liefen junge Leute, die guckten geradeaus und hatten keinen Knopf im Ohr. Den hatten höchstens Teddy-Bären.
Vor Clowns musste man keine Angst haben.
Der Rhein war eine stinkende Kloake.
Sonntags durftest du kein Auto fahren und wenn doch, gab´s den Sprit für weniger als ´ne Mark.
Und überhaupt, bezahlt haste mit D-Mark.
Der FC hat das Double geschaftt und der HSV war Titelfavorit.

War echt ´ne durchgeknallte Zeit.
Fast so durchgeknallt wie heute. Aber nur fast.

Manches gab es nicht.
Es gab in den Läden keine Backautomaten.
Automaten, die so was ähnliches wie Brot herstellen.
Es gab´ auch keine Werbung, die den Schwachsinnslevel 12 auf der nach oben offenen LIDL-Skala erreichen.
Werbung vom ALDI, die uns mitteilt, daß es gut ist, nicht mehr zum Bäcker zu müssen.
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Dafür gab es überall Bäcker, nicht nur in Heimbach.
Das waren Menschen, die mit ihren Händen Teig geknetet und anschließend für uns gebacken haben.
Kannst du dir das vorstellen? Irre, gell!

Wenn du jetzt brav aufhörst, nach diesen komischen Monstern zu suchen und dein Handy ausmachst, fahre ich für dich nach Heimbach zum Herres und kauf dir ein Brötchen. Ein Richtiges. Nicht so ein Pappteil vom ALDI!

Übrigens konnteste damals Rehrücken machen ohne schlechtes Gewissen in Sachen Nose to Tail haben zu müssen. Die Knochen und Innereien haste selbstverständlich mit verbraucht. Ohne ein großes Fass aufzumachen…

Rehrücken – Wirsing – Fingernudeln
(Rezepte frei nach Schuhbeck)

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Fingernudeln

4 Personen

Zutaten:
600 g Kartoffeln, mehligkochend
Salz
1 TL Kümmel
2 EL braune Butter
2 Eigelb
60 g doppelgriffiges Mehl
60 g Speisestärke
ger. Muskatnuss
Mehl für die Arbeitsfläche
1-2 EL Öl
Pfeffer
2 EL Butter

Zubereitung:
Die Kartoffeln in reichlich Salzwasser mit dem Kümmel weich kochen. Abgießen, möglichst heiß pellen, durch die Kartoffelpresse drücken und 30 Minuten abkühlen lassen.
Mit der braunen Butter und den Eigelben mischen. Stärke und Mehl unterkneten. Mit Salz und Muskat abschmecken.
Den Teig dritteln und auf der bemehlten Arbeitsfläche in Rollen von ca. 2 cm Dicke formen. 3 cm lange Stücke schneiden und diese zu etwa 7 cm langen Rollen formen, deren Enden spitz zulaufen.
In einem großen Topf reichlich Salzwasser zum Sieden bringen und die Fingernudeln hineingeben, wenige Minuten ziehen lassen, bis sie an die Oberfläche steigen. Einmal aufkochen lassen und mit dem Schaumlöffel herausheben und auf Küchenkrepp abtropfen lassen.
Das Öl in einer Pfanne erhitzen und die Fingernudeln darin bei mittlerer Hitze rundherum braun anbraten. Mit Salz und Pfeffer würzen und die Butter zugeben. Fingernudeln darin wenden und servieren.

Zum Vorbereiten die gegarten Fingernudeln auf einem geölten Blech schwenken und abkühlen lassen. In einer verschlossenen Dose bis zu 2 Tagen im Kühlschrank lagern und vor dem Servieren wie oben beschrieben, braten.

Meerettich-Grünkohl-Wirsing

4 Personen

Zutaten:
500 g Grünkohl
500 g Wirsing
Salz
80 ml Gemüsebrühe
120 g Sahne
1 EL Sahnemeerrettich
Cayennepfeffer
frisch geriebene Muskatnuss
1 MSP geriebene Orangenschale

Zubereitung:
Den Grünkohl von den Stielen zupfen und in kleine Stücke zerteilen. Den Wirsing putzen, in einzelne Blätter teilen und die Blattrippen entfernen. Beide Kohlsorten waschen.
Den Grünkohl in einem Topf in Salzwasser 4 Minuten bissfest blanchieren, in ein Sieb abgießen und abschrecken.
Wirsing in Salzwasser etwa 8 Minuten kochen, ebenfalls abgießen und abschrecken. Aus beiden Kohlsorten das Wasser herausdrücken.
Die Wirsingblätter in 2 cm große Stücke schneiden.
Grünkohl und Wirsing mit der Brühe und der Sahne in einem Topf erwärmen. Den Sahnemeerretich zufügen und das Gemüse mit Cayennepfeffer, Muskat, Salz und Orangenschale abschmecken.

Rehrücken

4 Personen

Zutaten:

1,5 kg Rehrücken am Stück (1 ausglöster Strang reicht für 4 Personen)

Sauce
2 Zwiebeln
1 Karotte
150 g Knollensellerie
1 EL Öl
1 TL Puderzucker
1 EL Tomatenmark
300 ml kräftiger Rotwein
2 l Geflügel- oder Gemüsebrühe
2 TL Speisestärke
1/2 TL Pimentkörner
1 Lorbeerblatt
1/2 TL Wacholderbeeren
1 Splitter Zimtrinde
je 1 Streifen Zitronen- und Orangenschale
1/2 TL geraspelte Zartbitterschokolade (bei mir eine MSP Molepulver von Holland)
1/2 EL Preiselbeerkompott (bei mir Quittengelee)
Salz, Pfeffer
etwas kalte Butter

Rehrücken
1 EL Öl
1 EL Butter
1 TL Wacholderbeeren
Salz, Pfeffer

Zubereitung:
Für die Sauße den Backofen auf 220° aufheizen.
Die Rehrückenfilets auslösen und sorgfältig parieren. Die Knochen in möglichst kleine Stücke hacken.
Knochen und Parüren auf einem Blech im Ofen 30 Minuten anbräunen. In einem Sieb abtropfen lassen.
Zwiebel, Karotte und Sellerie putzen und grob würfeln. Das Gemüse in Öl andünsten.
Puderzucker in einem Topf hellbraun karamellisieren und das Tomatenmark kurz leicht mitbräunen.
Nach und nach mit je einem Drittel Rotwein ablöschen und sirupartig einreduzieren.
Knochen und Gemüse zugeben, mit der Brühe aufgießen und bei milder Hitze kurz unter dem Siedepunkt ca. 2 Stunden ziehen lassen.
Sauce durch ein Sieb geben und auf die Hälfte einköcheln. Der Ansatz kann eingefroren und erneut verwendet werden.
Mit angerührter Stärke wie gewünscht binden.
Piment, Lorbeer, Wacholder, Zimt, Zitronen- und Orangenschale zufügen und einige Minuten ziehen lassen, Gewürze entfernen.
Die Sauce mit Schokolade, Preiselbeeren, Salz und Pfeffer abschmecken, zum Schluß die Butter unterrühren.

Für den Rehrücken den Ofen auf 100° vorheizen.
Das Öl in einer Pfanne erhitzen und den Rehrücken bei mittlerer Hitze rundherum anbraten.
Auf einem Gitter im Ofen etwa 50 Minuten durchziehen lassen.
In einer Pfanne die Butter zerlassen. Die Wacholderbeeren hinzufügen, salzen und pfeffern. Den Rehrücken darin wenden.
Kurz in Alufolie ruhen lassen, aufschneiden und anrichten

Endlich!
Es ist da.
Das Handbuch der überschätzten Lebensmittel.
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Das wurde aber auch Zeit. Total überfällig!
“Soja-Steak an Vollmondwasser”.
Ein literarisch-kulinarisches Highlight!
Von Markus Barth.
Der Mann spricht mir aus der Seele. Und formuliert, wie ich es nie könnte:
“…die volle Kraft deiner Nährstoffe entwickelt sich laut Internet erst nach einer Einweichzeit von mehreren Stunden. Ja, genau so schaust du aus, Chia-Samen! Für dich stehe ich nachts um drei auf und weiche dich ein, damit ich morgens ne Einlage fürs kernige Buchweizenmüsli habe. Am Arsch! Vielleicht bist du aber auch eher was für Leute, die abends schon wissen, was sie am nächsten Nachmittag gerne essen würden…Das sind vermutlich dieselben, die vor dem Schlafengehen schon den Frühstückstisch decken, in deren Kalender steht, wann die Bettwäsche gewechselt wird, und die beim Aufziehen der Sommerreifen schon den Termin für die Winterrreifen ausmachen. Ein Streber-Korn, das bist du, Chia!…”
Oder Reiswaffeln:
“Ein Griff in ´nen Sack voll benutzter Kompressen.

´Nen Pitbull am Bein (von Dämonen besessen)

Zwei offene Beine mit Eiter-Abzessen.
´Ne Leiche im Hausflur, von Würmern zerfressen.
Natursekt im Swingerclub Biebesheim (Hessen).
– Das alles ist schöner als Reiswaffeln essen.

Danke, Markus, es war an der Zeit!
Vielleicht denkst du auch mal über´n Buch mit dem Thema “Foodblogs” nach.

Bei mir weder SuperFood, Gesund, Vegan noch Trendfood.
Bei mir Knödel.
Aus dem gelobten Land.
Rote Bete Knödel. Auf ein bisschen Wirsing.
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Das weltbeste Rezept.
Vom Patscheider Hof.
Da ist schonmal der Mälzer bei Kitchen Impossible dran verzweifelt. Aber der hatte ja auch kein Rezept!

Rote Bete Knödel
4 Personen
Zutaten:
1 kleine Zwiebel
Pflanzenöl
1 Knoblauchzehe
300 g rote Bete, gekocht
200 g altbackenes Weißbrot
100 g Magerquark, abgetropft
2 Eier
1/2 TL gemahlener Kümmel
Salz, Pfeffer, gehackte Petersilie
ggf. Semmelbrösel

Zubereitung:
Die gehackte Zwiebel im Öl andünsten, bis sie weich ist. Dabei den gehackten Knoblauch zugeben. Mit den grob gewürfelten, geschälten roten Beten im Mixer pürieren. Geriebenes Brot, Quark und Eier einarbeiten. Würzen. Wenn nötig, mit Semmelbröseln verstärken und die Petersilie untermischen. 30 Minuten quellen lassen.
Mit feuchten Händen tischtennisballgroße Knödel formen.
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Salzwasser aufkochen, Hitze reduzieren. Das Wasser soll nur ganz leicht sieden. Knödel darin ca. 15 Minuten ziehen lassen. Sie sind gar, wenn sie an der Oberfläche schwimmen und sich fest anfühlen.

Tips:
Anstatt roter Bete blanchierten, feinst gehäckselten Spinat nehmen und mit Muskat statt Kümmel würzen. Dann haste astreine Spinatknödel.
Weißbrot statt Brötchen=weniger Rinde=feiner.
UNBEDINGT EINEN PROBEKNÖDEL MACHEN!

Ach ja, das Buch.
Must have!

Soja-Steak an Vollmondwasser; Das Handbuch der überschätzten Lebesnmittel
Barth, Markus
ISBN 978-9-8303-3441-5

Ohne viel drumherum

Kein großes Rumgesülze. Keine tiefgründigen Erklärungen. Keine Mätzchen.
Kalbshaxe!

Backofen vorheizen. 200°.
Haxe kräftig salzen und pfeffern.
14 (!) Knoblauchzehen schälen.
100 g Butter in einer Pfanne erhitzen, die Haxe rundherum anbraten. Vorsichtig!
Aus der Pfanne nehmen.
Butter in die Tonne kloppen.
Fleisch zurück in die Pfanne, 12 Knoblauchzehen, 4 Thymianzweige, 2 Rosmarinzweige, 100 ml Riesling reingeben.
Backpapier drauf, Deckel drauf.
Viertel Stunde anschmoren.
Hitze auf 160° runter. 2 Stunden schmoren, mindestens.
Immer mal wieder mit Schmorsud beträufeln.
Vielleicht Wein nachgießen.
Dann Deckel weg und bräunen.
haxe

Fleisch vom Knochen lösen.
Kräftiges Brot rösten. Mit 2 Knoblauchzehen abreiben. Etwas Olivenöl drauf. Mark aus dem Knochen klopfen, auf das Brot geben, salzen.
teller

Vielleicht gebratenes Gemüse dazu…
gemuese

Lömmelömm

„För mich noch en Kölsch, för de Jung noch eine Lömmelömm!“ – ein Satz, den viele Kölner von früher aus ihrer Veedelskneipe kennen. Denn in den späten 1950er-Jahren wurde Lömmelömm (rheinisch/ripuarisch für „Limonade“) als erfrischende, alkoholfreie Alternative zum Kölsch vom Wirt eigenhändig hergestellt und – meist in der Geschmacksrichtung Orange – selbst abgefüllt.
Jetzt isse wieder da. Und schmeckt immer noch. För de Jung oder för dich, wenn de fahre moss.
In Köln im Veedel, bei uns beim Reifferscheid.
Der Rest der Republik hat Pech gehabt…
loemmeloemm
P.S.
Ich krieg´ hierfür nix. Die Limo schmeckt eben und ich bin froh, einen gut sortierten Getränkedealer im Ort zu haben. Deshalb…

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