Der ultimative Gockel-Teil 1
4. November 2009 von Claus
Es ist gut, Restaurant-Stammgast zu sein. Man kennt sich gegenseitig und weiß von den kulinarischen Vorlieben des Anderen. Tisch bestellen ist (meist) überflüssig. Der eine oder andere Koch-tip ist auch immer mal drin. Vor allem aber kann so ein Restaurant ein äusserst interessanter NURDASGUTEZEUGS-Dealer sein.
Einen Top Fleisch und Geflügelbauern in der Pfalz hat er da aufgetan, der Schlingel – und für mich hat er mitbestellt: einen Ferkelrücken vom Schwäbisch-Halleschen, eine Gans, zwei Bauernhähne.
Samstags abgeholt, Sonntags gibt´s den Gockel Nr. 1.
Was für ein Monster-4,5 kg bringt das Vieh auf die Waage, echt, das is´n Hahn, kein Puter und auch kein Straußenvogel. Rezepte gibt´s für so´n Teil nicht. Da brauch ich doch schon wieder Hilfe vom Profi. Diesmal ein anderer, den treffe ich bei einer Veranstaltung sonntagmittags – Glück gehabt.
160°, meint er, jeweils eine Stunde auf beiden Seiten und dann noch ne Stunde auf´m Rücken, vielleicht am Schluß noch Oberhitze, damit die Haut auch schön knusprig wird (und die Haut ist ja nun wirklich die einzige Daseinsberechtigung von nem gebratenem Huhn, oder). Okay, so wird´s gemacht. Ich würze innen und außen mit Salz und Pfeffer, mehr nicht, stopfe dem Vieh die Bauchhöhle mit Zitronen, Kräutern und Knoblauchzehen voll und nähe das Biest wieder zu. In den Bräter kommen die Innereien, der Hals, halbierte Zwiebeln und weitere Zitronen, Kräuter und Knoblauchzehen-das wars schon, und ab in den Ofen.
Nach der ersten Stunde

Nach drei Stunden

Brust oder Keule

Die Flüssigkeit im Bräter wird durch ein Sieb gegossen und entfettet, nicht gebunden oder sowas. Dazu die bekannten Bratkartoffeln und Babymangold mit Pinienkernen.

Und was gab´s für ne Reaktion von diesen Ignoranten zu Hause.
“Da läuft ja noch Blut raus!” Quatsch, das ist kein Blut, das ist Saft, und unvermeidlich an den Keulen, bei nem Hahn muß man Kompromisse mit Brust und Keule machen, das hier ist genau richtig!!!
“Das ist aber zäh.” ZÄH? Mein Bauernhahn ist nicht zäh, definitv nicht. Er ist Fleischmässig der Hammer – geschmackvoll und fest, nicht ZÄH.
Da sieht man wieder wohin dieses Supermarkt-geschmacksfrei-schwabbelig-Hühnerzeugs führt. Meine Kids erkennen nicht den wahren Gockel-und ich bin tödlich beleidigt.
Mit dem zweiten Hahn mache ich Coq au vin, das mögen die eh nicht. Für die Ignoranten gibts dann einen Gummiadler aus dem Backofen, die können mich mal kreuzweise…

Das sieht ja bilderbuchmäßig aus. Großes Kino. Das muss geschmeckt haben, geht ja gar nicht anders. Beleidigt sein? Niemals! Brust raus, stolz sein.
Der Gockel sieht fantastisch aus, lass dich nicht irritieren. So einen hätte ich auch gerne für mein nächstes Huhnprojekt “Huhn in Halbtrauer”, mit vielen schwarzen Trüffeln unter der Haut, da würde er perfekt passen in seiner “Fleischlichkeit”.
Toller Hahn!!!!!!!!!!!
Bei 4.5kg hätte ich Dir gleich angeraten, den Gockel ein paar Stunden drinzulassen…..
Bei Poularde brate ich das Teil immer vorher scharf an und dann ab in den Ofen, meistens allerdings bei höherer Temperatur…..
So einen großen Hahn von 4,5 kg hab ich ja noch nie gesehen!
Wo findet man den denn in der Pfalz?
Ein Stück Brust mit Mangold hätte ich auch verzehrt!
Das sieht ja monstermäßig gut aus! Aber 4,5 kg stellen schon eine enorme Herausforderung, auch an die Brattechnik, dar. Vielleicht hätte ich versucht (!!!), dem Tier etwas Speck oder Buttermischung oder irgendeine Farce unter die Brusthaut zu schieben. Enges Binden der Schenkel an die Brust schützt diese zusätzlich vor dem Austrocknen – vielleicht hätte man so das Braten noch etwas ausdehnen können. Erhebend ist der Anblick eines im Ganzen gebratenen Tieres allemal, obwohl bei der Garzeit meist ein Kompromiss gemacht werden muss.
Egal – es wird ein Superschmaus gewesen sein und irgendwann denken erwachsene Kinder mit Wehmut an verschmähte Genüsse zurück.
@alle: Ich denke, er war genau richtig, so wie er war. Man darf so ein Vieh nicht mit diesen Winzlingen vergleichen. Die Resteverwertung (kommt morgen) war dann der Oberhammer-das Fleisch (auch das von der Brust) fest und total saftig und voller Hühnergeschmack…
Wow, was für ein tolles Tier. Und er schaut fantastisch zubereitet aus. Ich weiß übrigens genau, was du meinst. Ich bin auch immer mal wieder mit meiner Tochter beleidigt, die übrigens auch voll pubertär ist. Für sie ist es das größte Fest, wenn sie mal nicht mit uns mitessen “muss” und sich eine TK-Pizza machen kann *heul*.
Wahnsinn, und ich dachte mein gefüllter Freilandhahn mit Maronen, den ich neulich gemacht habe, wäre groß gewesen. Der brachte immerhin 2,7 kg auf die Waage. Ich habe mir auch so eine tolle Geflügelquelle aufgetan, die mir nächsten Dienstag sogar netterweise eine 5 kg Gans frei Haus liefert.
Ja, für die Supermarkthähnchenlutscher ist so ein Gockel natürlich nicht das gute Zeugs, aber für Liebhaber festen, saftigen Fleisches ist so ein Hähnchen der Himmel auf Erden!
Ich hätte schon schnell vorbeigeschaut und nicht gemeckert.
Beileidigt, NO GO, das hast Du Hammer-Mässig gemacht. Du hast Recht, viele müssen sich an richtiges Fleisch erst wieder gewöhnen. Aber bitte deswegen keinem an die Backen geben
)
Du hast meine Bewunderung, zu mehr als einer Wachtel hab ichs noch nicht gebracht.
[...] reicht mir völlig. Das hier ist das zweite Exemplar der letzten Lieferung. Der erste war´n Monster, der hier ist die Minivariante, gerade mal knapp 3 Kilo bringt er auf die [...]
[...] 5000 g bringen die Biester auf die Waage, gigantisch! Nr. 1 und zwei waren ja schon richtig gut; hier, hier und hier [...]