Die Stecknadel im Heuhaufen-Teil 1
14. November 2009 von Claus
Die ganze Welt macht Urlaub an der Mosel, naja vielleicht nicht die ganze Welt, aber mindestens ganz Europa, jedenfalls Westeuropa und da vor allem Leute aus den Benelux-Staaaten – aus Holland vorwiegend. Und damit die alle auch nicht verhungern, jedenfalls die, die nicht selbst kochen oder Lunchpakete mitbringen, also die drei-vier Touristen pro Woche und auch die Eingeborenen wie ich, gibts Restaurants ohne Ende.
Und damit fängt das Dilemma an. Wenig kosten soll´s, man fährt ja nicht umsonst extra nur in die Nähe. Und Wein solls da geben-Moselwein, vom Winzer, aber bitteschön billig, man ist ja mitten drin im Weinanbaugebiet. Und rustikal soll´s sein, bei den ganzen urigen Moselörtchen, den Burgen und dem ganzen sonstigen drumherum kann man das ja wohl erwarten. Tja, und das Essen? Kleiner Preis, Viel und gut und zwar in dieser Reihenfolge. Das “gut” ist relativ und der Rest wird eingehalten, hier bei uns an der Mosel. Riesen-Schnitzel, Döner, und sonstige landestypische Spezialitäten, wohin man schaut. Und Wein aus Großkellereien für 2 € der Pokal, aber immerhin steht Mosel drauf. Und die Dinger sind brechend voll in der Saison. Es bleibt zwar nicht viel hängen – aber die Masse machts. Und im November werden dann bis März die Bürgersteige hochgeklappt…
Traurig – aber immer mit der Ruhe!!! Hier bei uns an der Mosel geht´s auch anders. Urige Landgasthöfe, Staußwirtschaften und auch Restaurants mit gehobenen Ansprüchen. Man muß halt genau hinsehen, sorgfältig suchen und beim Blick auf die Speisekarte und auf die Preise mal zumindest kurzfristig das Gehirn einschalten.
Eine dieser Stecknadeln im Heuhaufen ist für mich Alexanders Restaurant im Gasthaus Burg Thurant in Alken.

Den Laden haben wir schon beim Vorbetreiber öfter besucht. Gestern war dann Premiere beim Neuen. Der Alexander Hüllen hat immerhin schon im Schiffchen in Düsseldorf gekocht, da muß er bestimmt was draufhaben. Ich reserviere für 19:30 Uhr. Wir werden sehr freundlich empfangen. Die Ausstattung ist wie beim Vorgänger rustikal-gemütlich aber nicht, wie so oft, überladen.



Die Karte präsentiert sich übersichtlich, macht Lust auf´s Essen. Die Weinkarte bringt jede Menge gute Weine der Region zu sehr fairen Preisen. Viele meiner Favoriten sind dabei, Fuchs aus Pommern, Knebel aus Winningen und Andreas Barth´s Lubentiushof aus Niederfell.
Wir nehmen das Gänsemenü (zweimal im Jahr muss es Gans sein, einmal auswärts, einmal zu Hause) und den 2007er Burg von der Leyen vom Lubentiushof. Als Aperitiv den obligatorischen Mosel-Kir-Royal-Winzersekt (von Canal, Winningen) mit Likör vom roten Moselweinbergpfirsich.
Der Aperitiv ist sehr gut, der Wein wie immer spitze, Lubentiushof eben.
Als Vorspeise wird eine Maronensuppe mit Tresterschaum serviert.

Ein sehr vielversprechender Auftakt. Das Süppchen sehr cremig mit intensivem Maronengeschmack. Oben drauf eine mit Tresterschnaps aromatisierte halbgeschlagene Sahne. Sehr interessante Kombination, muß ich mal nachmachen.
Zur geschmorten Gans (Brust und Keule) gibts ein auf den Punkt gewürztes, farbintensives Rotkraut, wunderbar lockere Kartoffelklösse und eine Apfel-Maronen-Füllung. Für die geschmackliche Basis sorgt eine gut dosierte, intensive Bratensoße.

Und die Gans? Außerordentlich gut. Sehr geschmackvoll und äußerst zart. Da muß ich mich demnächst bei der Heimspiel-Gans mächtig ins Zeug legen, aber so perfekt krieg ich sie im Leben nicht hin. Wir sind sehr zufrieden…
Das Dessert wurde für uns ohne Probleme geändert – sehr schön, so gehört sich das. Meine Frau mag keine Mandeln, deswegen anstatt Mandelkuchen den Schokoladenkuchen mit Zimteis und Schlgsahne.

Der Schokladenkuchen ist süss und warm und weich und lecker, nicht neumodisch flüssig. Das Zimteis passt dazu, die Sahne und die Früchte müssen nicht sein. Also auch ein ordentliches Dessert, prima, hat sich doch gelohnt der Besuch in Alken.
Anregen möchte ich, vielleicht die Suppenportion etwas zu reduzieren. Das Dessert sollte man nicht auf den gleichen Tellern wie das Hauptgericht servieren. Glasteller sind eh gewöhnungsbedürftig, ich steh da eher auf klassisch weißes Porzellan.
Alles in Allem war´s ein schöner Abend bei einem sehr guten Essen und einer ebenso guten Flasche Wein, vielen Dank dafür an Küche und Keller. Wir werden wiederkommen…
P.S. Kurz vor´m Aufbrechen kamen noch Gäste ins Lokal, die nur einen Wein trinken wollten. Die Leute fühlten sich aufgefordert zu fragen, ob dies möglich sei. Daraufhin wurden sie ebenso freundlch willkommen geheißen, wie wir. Aber schon allein das Gefühl, fragen zu müssen, ist doch blöd, oder? Ich würde für so Fälle eine Wein-Bar oder was ähnliches einrichten – nur so ne Idee…

Hihi, ich bin, so scheint’s wirklich ein wenig Messe-geschädigt. Beim ersten Überfliegen im Feed-Reader habe ich “Die STEAKNADEL im Heuhaufen gelesen!”
Was die Tips für die Mosel angeht, so sind Sie mir hochwillkommen. Ich hatte mir ohnehin vorgenommen, vor der nächsten Tour nach Bremm und Alf hier noch einmal dezent nachzufragen.
Guter Tipp und sehr schöner Bericht. – Bitte mehr davon!
Sehr guter Bericht, so kann man ein Lokal empfehlen. Nix übertriebenes, alles schön beschrieben, Toll!
Da schau an, ich war vor vielen Jahren mal in diesem Lokal. Wusste gar nicht, dass der Besitzer gewechselt hat. Mosel ist nicht mehr meine Gegend. Ein schöner Bericht!
ein interessanter Bericht und wunderschön geschrieben !
Auch die Fotos sind gelungen und machen Appetit
das wäre mal eine Reise wert …
Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass ich dort hin komme, gering ist -aber solche Tips lese ich immer gerne. Gefaellt mir, schnoerkellos und gemuetlich! Deine Kritik an den Glastellern teile ich, ein traditioneller Gaensebraten auf Glas, nein, muss nicht sein.
Sehr schöner Bericht – danke. Das macht Lust, wieder mal an die Mosel zu fahren. Das mit den hochgeklappten Bürgersteigen kenne ich noch, hab ja auch mal an der Mosel gelebt.
Fleisch auf Glastellern mag ich auch nicht, das habe ich aber erst beim zweiten Mal bemerkt- mir ist der Rotkohl zuerst aufgefallen ( Rotkohl- Event!) und natürlich die Gänsehaut- das geht bei mir überhaupt nicht, weswegen ich im November selten essen gehe.
Aber die Suppe und das Dessert hätte ich auch genommen…
Feiner Tip. Besten Dank
@Marqueee
Melde dich, wenn du Mosel-Tipps brauchst, kannst dann ja auch mal bei mir im Laden in Cochem vorbeischaun…
@Arthurs Tochter
Das ist aber schade, hast du schlechte Erfahrungen gemacht?
Toller Tipp und liegt genau in meinem Radius.
Obwohl ich ja Alken eigentlich abhaken wollte, denn auch wir hatten mal die “nur Wein trinken”-Frage gestellt. Allerdings mit anderem Ausgang:
http://www.uli-kutting.de/blog/archives/alken-an-der-mosel-doppelter-reinfall.html
[...] Schweinebauch; das sind die Teile, die ich im Winter mag! Und Gans, zweimal im Jahr, einmal auswärts und einmal selbst gemacht-das hat [...]