Ich Meisterkoch
28. August 2010 von Claus
Gottseidank!
Die haben mich völlig rausgeschnitten!
Der Cutman hat ganze Arbeit geleistet, guter Mann!
Diese Peinlichkeit ist mir erspart geblieben,
BEIM ZWIEBELSCHNEIDEN VERSAGT!!!!!!
Obwohl, ich hätt´ eigentlich gerne mal die Zwiebelchen gesehen. Von mir, vor allem aber von meinen Nachbarn, die wurden auch aussortiert!
Der eine ist Metzger, der andere hat ´ne Kochschule!
DIE KÖNNEN Zwiebeln schneiden!
Am 19. Mai zwanzichzehn war´s, da hab ich Wind von der Geschichte bekommen. Groß die Klappe aufgerissen und abgelästert, aber dann doch die Bewerbungsunterlagen angefordert. Hat mich doch mal interessiert.
Einen Fragebogen haben sie geschickt. Und einen Leitfaden, wie man ein Video dreht, und Fotos wollten sie auch.
Video drehen kann ich mit meiner Fuddelkamera nicht; deshalb hab´ ich denen die Küchenschlacht-DVD´s geschickt.
Der Fragebogen ging schon mal ziemlich ans Eingemachte. Die wollen richtig persönliche Dinge wissen. Selbsteinschätzung, Fremdeinschätzung und weiteres psychologisches Zeugs.
Da halt´ ich mich doch mal vornehm zurück und antworte ziemlich einsilbig – sonst gar nicht meine Art. Das hier geht aber schon etwas zu weit.
Trotzdem, ich find´s alles in allem herausfordernd. Ich kann mir vorstellen, daß die Kocherei bei denen richtig Spass macht. Und der Preis ist ja auch nicht zu verachten. Schöne Berichte für´n Blog fallen sicherlich auch ab. Deshalb bewerbe ich mich!
Und werde eingeladen!
Sonntag, 13.06. 8:00 Uhr, Köln. Den Vertrag schicken sie direkt mit, riesen Teil, so in etwa wie ein Ikea-Katalog. Muß ich den lesen? Nö! Ich fahr da erst mal hin und dann sehen wir weiter.
Also, “Vorcasting” am Sonntag, erste Runde dann Montag und Dienstag, zweite Runde am Mittwoch und dann Einzug ins “Loft” (Watt is´n datt? Nie gehört! Ist mir aber erstmal auch egal.)
Für das Vorcasting sollen wir ein kaltes Gericht zu Hause vorbereiten und dann vor Ort servieren.
Häh? Wie stellen die sich das denn vor? Wir haben Sommer! Es ist warm!
Ich hab´s ja noch gut, 30 Minuten Fahrzeit, da unterbricht keine Kühlkette. Aber was machen die Leute aus Berlin, Hambur, München und wer weiß woher noch?
Ist nicht mein Problem, ich bereite was vor und zwar das hier.

Rezept vom Johann, da kann nun wirklich nix schief gehen.
Bin mit meiner Jüngsten pünktlich da. Die anderen sind alle pünktlicher. Und stehen vor uns in der Riesen-Schlange. Alle wollen rein in den Bau. Wir stehen mit unseren Kühltaschen in der prallen Sonne. Und warten und warten und warten…
Ständig kommt ein Kamerateam und stellt blöde Fragen. Hab ich keinen Bock drauf.
Ich will jetzt da rein und meinen Fisch präsentieren! Deshalb immer dezent im Hintergrund halten und in die andere Richtung gucken.
Irgendwann checke ich ein, muß den Vertrag unterschreiben und warte in der Zone “Blau”. Und warte und warte und warte…
Übrigens haben WIR heute abend unser erstes WM-Spiel und mittlerweile ist Mittag.
Endlich werde ich aufgerufen. Ab in die Anrichtezone. Ich Hornochse hab´s Schneidbrett vergessen, deshalb schneiden auffem Teller, nicht gut, aber immer noch gut genug.

Ich sehe, was die Konkurrenz so alles anrichtet. Einige Perlen dabei, keine Überflieger, viel “Bedenkliches” (Menge, Hygiene usw.). ICH WÜRD´S NICHT ESSEN!
Dann Treppe hoch in den Jury-Raum. Mehrere Jurys gleichzeitig, zusammengesetzt mit einem Koch aus der Gegend und einem Redaktionsteam-Mitglied.
Ich erkläre mein Gericht und werde von der Jurytante mal wieder ausgequetscht. Nicht mit Mir! Nur oberflächliche Antworten!
Das Essen ist natürlich in Ordnung.
Wieder unten im Foyer. Mittlerweile haben wir 15 Uhr. Die Jury zieht sich zur Beratung zurück. Und wir warten und warten und warten….
Die Entscheidung!
Einige raus! So cirka 50-60 kommen weiter – ich auch. Werden eingeteilt auf Montag und Dienstag. Dienstag kann ich nicht. Ich tausche mit einem Teilnehmer, der kann nämlich am Montag nicht, weil, der braucht Hackfleisch, und das kriegt er bis Montag 7:30 Uhr nirgendwo.
Dienstag
Um 7:30 Uhr bin ich pünktlich da! Ausgeschlafen, fit wie´n Turnschuh, und mit gutem Zeugs im Gepäck. Wieder müssen wir alles mitbringen, jedenfalls die Zutaten!
Gekocht wird diesmal hier, und zwar richtig. Da freu´ich mich drauf! Das ganze Gedöns drumherum ist für mich halb so schlimm, ich kann mich abseilen, ich schlafe nicht im Hotel sondern zu Hause!
Besichtigung der Küche. Mehrere Kochzeilen hintereinander! INDUKTION, scheiße, hab ich keine erfahrung mit! Vorne Sitzplätze für die Zuschauer (wartende Kandidaten). Einweisung in die Technik, alles halb so schlimm, Induktion finde ich auf einmal klasse!
Dann wieder warten und warten und warten und dumme Fragen beantworten und so weiter!
Ich schaue mir die Konkurrenz an. Klar, kochen können die alle, aber alle auch nur mit Wasser.
Verdammt, Junge, du hast hier echt ne Chance! Hundertausend!
Die Fragen machen mich langsam nervös.
Die wollen an die Leichen im Keller! Familiäre, persönliche, berufliche Probleme, all das was für die Zielgruppe interessant sein könnte.
Wer hat keine Probleme!?
Aber die bind´ ich denen nicht auf die Nase, garantiert nicht. Ich kann kochen, das wird ja wohl reichen, jetzt wo ich schon mal so weit bin!
Die Konkurrenz ist da teilweise mitteilsamer, Leute gebt acht, das kann in´s Auge gehen!
Ich bin dran. Vierzig Minuten Zeit für ein Gericht. Mit den Töpfen dann vor die Jury und dort anrichten, das ist die Aufgabe. Ich mache Jakobsmuscheln mit Linsen, einfach und gut.

Klassisches Wettbewerbsgericht, kann jeder, hier gehts ums Weiterkommen, nicht um irgendwelche Experimente wie damals in der Küchenschlacht!
Und während des Kochens wieder diese Fragen. Wie gehts dir jetzt? Welche Gefühle hast du? Und so weiter. Mann, ich bin am Kochen, mir gehts gut, ich hab die Nummer locker im Griff, was wollt ihr von mir?
Vor der Jury!
Da isser, Nelson Müller! Nicht schon wieder!
Ich richte an und erkläre das Gericht bzw. stammele so vor mich hin, was willste hier auch groß erklären.
Die Kamera fällt aus und ich fange noch mal von vorne an…
Nelson schmeckts, er ist begeistert, die beiden anderen auch! Die putzen den Teller ratzekahl auf! Siehste, klappt doch!
Der Raue will wissen, was ich machen würde, wenn ich hierbei keine Jakobsmuscheln hätte.
Kein Problem, sage ich, den Salbei durch Majoran ersetzen und ein Stück Blutwurst braten. Die Herren sind beeindruckt und ich ne Runde weiter.
Und muß wieder ein Interview geben. Was sich in meinem Leben ändern wird, wenn ich hier gewinne? Mann, ich bin um 100.000 reicher, nicht mehr und auch nicht weniger! Sind die blöd oder was?
Zu Hause krieg ich den Kopp gewaschen, von IHR. Hast du Depp eigentlich mal den Vertrag gelesen? Du machst das alles erstmal alles für lau. Dann wollen die hier bei uns ne HOMESTORY drehen, hast du sie noch alle?
Und du musst 6 Wochen in so nen Big-Brother-Container oder so, wie soll das denn gehen. Neh, mein ich.Iich wohn doch in der Nähe, da muß ich bestimmt nicht rein.
Pustekuchen, SIE hat natürlich recht, wie immer!
Mittwoch
Treffpunkt Hotel und dann mit dem Bus in irgendein Kölner Industriegebiet. Ne ehemalige Gießerei und anschließend Erlebnisgastronomie, das ist die Location.
Da findet die Zwiebelnummer statt, ihr habts gestern abend gesehen!
Vorher wieder warten und warten und warten und Interviews und Gejohle für die Kameras und Marschieren, truppweise, über staubige Wege für irgendwelche schwachsinnigen effekthaschenden Kameraeinstellungen.
So langsam krieg ich die Krise. Und weiß wegen der Loft-Nummer eigentlich gar nicht, wie ich mich weiter verhalten soll. Ich glaub, ich zieh´s trotzdem durch, irgendwie wird´s gehen! Vielleicht aber auch nicht!
Dann geht los. Zwiebeln schälen ist angesagt. Tim der Große erklärts und guckt so richtig böse dabei. Mann, ist das ein harter Hund, ich bin einigermaßen beeindruckt. Die anderen Kandidaten in meinem Alter auch!
Wir legen los. Ich beobachte die Nachbarschaft, gute Leute, die haben´s echt drauf. Bei mir läufts nicht besonders, aber auch nicht richtig schlecht.
Einer nach dem Anderen wird abgeklatscht – ist weiter.
Mein direkten Nachbarn und ich schneiden weiter. Plötzlich wird mir klar, das hier ist ein Witz. Nachher werden die sagen, die “Abgeklatschten” sind raus und die am Brett sind weiter. Garantiert, anders kann´s nicht sein, so wie die Jungs neben mir schneiden!
Tja, Claus, da hast dich aber gewaltig verschätzt! Raus! Beim Zwiebelschneiden! Kanns noch peinlicher sein?
Mit mir und auch danach beim Grill-Wettbewerb, jede Menge gute Leute ausgeschieden, meist älter, meist kochtechnisch bewandert, wohl nicht mehr formbar und vor allem: Fürs SAt1-Freitagsabend-Publikum uninteressant.
Hätte eigentlich jedem klar sein müssen. Es geht hier um Kohle.
Für den Sender, der lebt von Werbung. Da kommts auf Quote an. Die brauchen TYPEN und keine Kochverrückten.
Schlimm nur, wenn junge, vielleicht auch noch labile Menschen sich Hoffnungen machen und nur ausgenutzt werden. Und das wird mit jeder weiteren Runde immer prekärer.
Ich hab´s mir so nicht vorgestellt, hätt´ ich wirklich nicht gedacht, da bin ich wohl auch ein wenig naiv.
So was mach´ ich nicht mehr! Jedenfalls nicht mehr bei den Privaten. Vielleicht nochmal beim ZDF. Vielleicht Topfgeldjäger. Vielleicht nächsten Donnerstag…























































